Systemisch sein
… ist eine Haltung.
Das Wesen meiner Prozessbegleitung als systemische Therapeutin/ Familientherapeutin ist nicht nur ressourcenorientiert & lösungsorientiert, nicht nur zielorientiert & ergebnisorientiert, sondern auch sinnorientiert. Meine Begleitung ist geprägt von Wertschätzung & Würdigung, auf Augenhöhe & in einem geschützten Raum.
Dabei übe ich mich darin,
- ein gastgeberischer, gestalterischer Raum zu sein, dem das Wohlwollen meinem Gegenüber & das Wohlwollen mir selbst gegenüber ein Grundwert ist.
- eine Beziehungsweise zu finden, die im Begegnungsraum eine Beziehung auf Zeit ist.
- professionelle Nähe zu halten, ohne mich an der professionellen Distanz festzuhalten.
- in Verbundenheit zu treten & in dieser Verbindung frei zu sein.
- mein Gegenüber freundlich einzuladen & zu verabschieden für sein Weitergehen.
- eine Haltestelle zu sein, an der mein Gegenüber sich aufhalten möchte, um das Mitgebrachte mit mir zu teilen, um gehört zu werden.
- an der Haltestelle mein Gegenüber einzuladen, anzuhalten: nicht weiter, nicht zurück. Anhalten & innehalten. Lernen, Stille zu halten & in ihr sich womöglich zu entfalten. Zusammen halten, was dann geschieht.
- Schlüssel für lang verschlossene Türen anzubieten & Türen verschlossen zu lassen.
Der Garten meines Gegenübers ist nicht mein Garten. Über seinen Garten habe ich nicht zu bestimmen, von seinem Garten habe ich nichts zu wollen. Seinen Garten kann ich bloß besuchen, bestaunen, wenn er mich lässt. Den Zutritt zu seinem Garten gewährt mir mein Gegenüber.
Die Erntezeit im eigenen Garten geschieht nicht im Frühling. Die Erntezeit folgt auf Roden, Ansäen, Bewässern, Hegen und Pflegen. Ich kann die zarte Pflanze der Achtsamkeit und des Mitgefühls für mein Gegenüber nicht kultivieren. Das Kultivieren dessen, über was er als Mensch verfügt, ist sein Weg, der von mir nicht begangen werden kann.
Das Kultivieren bedarf einen empfänglichen, aufbereiteten, fruchtbaren Boden. Es bedarf Platz, um sich zu verwurzeln, um sich auszubreiten. Es bedarf Pflege und Zuwendung, um nicht zu verwelken. All das ist sein Lebensraum & seine Lebensgestaltung.
In meiner Begleitung achte ich darauf, dass Mir-bereits-Bekannte nicht auf mein Gegenüber zu übertragen. Es geht mir darum, in der persönlichen Begegnungszeit, neue Erfahrungsräume zu ermöglichen.
Und an dieser Stelle möchte ich mich selbst an den guten Grund erinnern.
An den guten Grund, wenn mein Gegenüber (noch) nicht empfänglich ist.
Und diesen guten Grund muss ich nicht wissen.
Stattdessen übe ich mich darin, mich gegenwärtig im Ungewissen geborgen wissen.
Im Begleitungszeitraum als systemische Therapeutin/ Familientherapeutin bin ich ein Mensch.
Ich gebe aus meiner Fülle, aus der Tiefe meines Herzens.
Meine Schale ist voll gefüllt.
Ich gebe das, was bei mir überfließt.